Seit heute morgen wird es
durch
diverse
SEO-Blogs
verbreitet
: eine neue Suchmaschine hat das Licht der Welt erblickt.
Zu finden ist sie unter der Domain www.cuil.com
, ausgesprochen wird das “cuil” allerdings als “cool”, was natürlich dann die Frage aufwirft, warum man sich “cool” nennt, sich aber anders schreibt. Das können sich doch dann eh nur die wenigsten behalten, alle anderen werden wohl bei cool.com landen.
Die Aufmachung des neuen Möchtegern-Google-Killers ist etwas gewöhnungsbedürftig. Alleine die Startseite erschlägt mich schon mal mit ihrem komplett schwarzen Hintergrund. Vielleicht will man sich hier als Umweltschützer ein gutes Image zulegen, wie Google vor einiger Zeit mit der Beteiligung an der Lichtaus-Aktion
. Die Präsentation der Ergebnisse erfolgt dann aber wenigstens wieder auf weißem Hintergrund. Allerdings ist auch hier die Anordnung anders, als man es von Google, Live und Yahoo kennt: die Treffer stehen nicht alle in einer Liste nacheinander, sondern verteilt auf drei Spalten nebeneinander. Der Stil gleicht eher dem einer Seite einer Tageszeitung, auf der ein paar Kurzmeldungen stehen.
Gewöhnungsbedürftig, aber nicht unbedingt schlecht. Doch reicht das aus, um den großen Gegner Google ernsthaft zu gefährden?
Wie kann man Google gefährlich werden?
Was Google groß gemacht hat, das waren die im Gegensatz zur Konkurrenz qualitativ deutlich besseren Suchergebnisse und genau daran muss eine Suchmaschine arbeiten, die Google ernsthaft in die Enge treiben möchte.
Wer wie Cuil einfach einmal über 120 Milliarden Webseiten in Datenbanken presst, es aber nicht schafft, aus diesen Datenmengen, wirklich relevante Ergebnisse herauszufiltern, der wird kläglich scheitern. Nicht die Größe des Index ist kriegsentscheidend, sondern die Qualität der Suchergebnisse. Und die ist bei Cuil momentan noch absolut miserabel.
Problem: keine innovativen Rankingverfahren
Warum Google vor etlichen Jahren eine so deutlich bessere Qualität als Altavista und Co. liefern konnte, lag in dem innovativen Rankingverfahren, welches erstmals auch äußere Faktoren, die vom Seitenbetreiber selbst nur schwer beeinflussbar waren, mit einfließen ließ. Die Einbeziehung der Linkpopularität machte also Google qualitativ so viel besser als die Konkurrenz. Mittlerweile bezieht Google noch eine Reihe von weiteren Faktoren mit ein.
Das Problem, was momentan alle Google-Konkurrenten haben, ist, dass sie keine wirklich gravierend neue Idee für das Rankingverfahren haben und deshalb im Prinzip nur in die Fußstapfen des Marktführers treten. Auch Yahoo und Microsoft werden es so nicht an Google vorbei schaffen, sie hinken immer nur hinterher.
Wer in den Fußstapfen eines anderen wandelt, hinterlässt keine eigenen Spuren.
Was könnten innovative Rankingkriterien sein?
Wer die Frage treffend beantworten kann, der könnte der neue Sergey Brin oder Larry Page werden.
Ich schätze mal, dass es bei den automatisierten Rankingverfahren nicht allzu viel weitere Möglichkeiten geben wird; zumindest keine die die Qualität der Suchergebnisse immens verbessert. Was aber durchaus interessant sein könnte, ist es, vermehrt menschliche Intelligenz mit einfließen zu lassen. Das könnten z.B. Daten von großen Social-Bookmarking-Verzeichnissen sein, Daten über Traffic und Nutzerhalten von Websites, Historische Suchdaten des jeweiligen Nutzers etc. - Auch könnte man die sozialen Kontakte des Suchenden berücksichtigen. Was die interessiert, könnte ihn auch interessieren. Im Prinzip der Weg hin zu vollständig individualisierten Suchergebnissen.
Ich glaube, dass dies ein Weg sein könnte, die Qualität deutlich zu verbessern. Leider ist dabei nicht nur eine unglaubliche Rechenleistung nötig, sondern auch ein enormer Datentopf. Beides kann man nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Und je länger es dauert, desto mehr Daten sammelt der große Konkurrent Google und desto weiter wächst die Infrastruktur des Marktführers. Der dürfte somit schneller selbst imstande dazu sein, seine Qualität weiter zu verbessern und den Vorsprung noch weiter zu vergrößern.
Kein Google-Killer auf lange Sicht!
Mit anderen Worten: ich glaube nicht, dass Google momentan von irgendjemand gefährdet werden kann und die Zeit spielt auch noch für den Marktführer.
Jemand anderer Meinung? Dann bitte her damit.



