Gestern war ich auf einem Seminar der Wirtschaftsförderung Wetterau
. Das Thema der Veranstaltung, an dem ich vor eineinhalb Jahren schon selbst einmal einen Vortrag gehalten habe, lautete dieses Mal: “Jetzt steht es fest, ich eröffne mein Internet-Geschäft!”.
Ich hatte mich relativ spontan dazu entschieden, daran teilzunehmen, denn die Themen an sich hörten sich recht interessant an, auch wenn mir klar war, dass sich diese Veranstaltung in erster Linie natürlich nicht an Profis, sondern an interessierte Anfänger richtete, denn die Referenten wollten ja ein wenig Werbung in eigener Sache machen, neue Kunden akquirieren und nicht die Konkurrenz schulen.
Rechtssicher online handeln
Den Auftakt der Veranstaltung machte der Rechtsanwalt Andreas Heinze von EC-M
. In seinem Vortrag ging es um die rechtlichen Aspekte, die man als Shopbetreiber im Internet zu beachten hat, wie beispielsweise die Impressumspflicht, das Widerruf- oder Rückgaberecht für Verbraucher, Datenschutzhinweise, etc. Auch gab Herr Heinze wieder einmal einige für den Laien kuriose Urteile deutscher Gerichte wieder. Den Vortrag kannte ich weitestgehend, da sich viele Themen mit den Inhalten von vor eineinhalb Jahren deckten, als er ebenfalls über rechtliche Aspekte einer Internetpräsenz referierte. Lediglich einige neuere Gesetze kamen hinzu.
Internetstatistik – was sagt mir das? … und Business 2.0
Im zweiten Vortrag ging es um Webstatistiken und wie man diese für sich nutzen kann. Den Vortrag hielt Christian Asche, Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmens arsmedia
aus Nidda; einer Firma, die Internetauftritte für Unternehmen realisiert und auch internetbasierte Individual-Software entwickelt. In Asches Vortrag wurde erklärt, wie die unterschiedlichen Ergebnisse von Webanalyse-Tools, wie z.B. Webalizer und Google Analytics zustande kommen. Warum bei Logfile-basierter Auswertung die Zahlen viel höher sind, als bei Analyse-Software, die mittels Javascript in eine Website eingebunden wird. Im Anschluss daran wurden noch einmal drei Websites herausgestellt, die aufzeigen, welche Umsatzmöglichkeiten im Internet stecken: Youtube, die MillionDollarHomepage und das Blog von John Chow.
Internet-Geschäft - Ja, danke - aber bitte mit Ertrag!
Im letzten Vortrag (und auch gleichzeitig dem längsten) des Abends ging es um das Verkaufen mit Internet mit Ertrag. Referiert über das Thema hat Tilo Marquardt von webnetto.de
. Er erklärte, wie man Ware im Web verkaufen kann, ohne zwangsläufig auch der billigste Anbieter im Netz zu sein, nämlich in dem man dem Kunden die Sicherheit gibt, das er unbedenklich einkaufen kann und auch einen entsprechend guten und schnellen Service bietet. An sich also nichts unbedingt neues, aber interessant fand ich den Aspekt des “Glashauses” eBay. Marquardt zeigte auf, welche Daten man über die Analyse von Wettbewerbern auf eBay alle herausfinden kann, nämlich Absatzzahlen, Umsätze, saisonale Schwankungen und letztlich auch, welche Ware gut läuft und welche absolute Ladenhüter sind. Seine Aussage: “Lernen Sie aus den Fehlern der Wettbewerber.” Im folgenden ging es -leider etwas langatmig- weiter über den Aufbau eines guten Rufs bei eBay und der optimalen Aufbereitung eines Angebots hin zu den Tipps, wie man über eBay Leute auf seine Website holen kann. Auch, wie man seiner Meinung nach Webmarketing betreiben solle.
Leider warf Herr Marquardt einige Begriffe durcheinander, denn ich persönlich würde das Schalten von Werbeanzeigen über Google Adwords nicht als Suchmaschinenoptimierung bezeichnen, sondern als SEM-Maßnahmen bzw. Suchmaschinenmarketing. Auch die Tipps, wo man seine Anzeige platzieren sollte, erachte ich als höchst zweifelhaft. Wer den Vortrag gehört hat, kann sich mal die beiden Artikel “Organische Ergebnisse vs. Sponsored Links” und “Vor- und Nachteile von Sponsored Links” hier auf der Website anschauen und selbst urteilen.
Dass man, wie Marquardt sagte, viel Wissen über Suchmaschinenoptimierung im Netz nachlesen kann, das ist zwar richtig, allerdings handelt es sich hierbei zum großen Teil um Grundlagenwissen, das eigentlich bereits durch die Webdesign-Agentur abgedeckt sein müsste. Auch sind Halbwahrheiten oder sichtlich falsche Informationen zur Genüge im WWW zu finden; ganz zu Schweigen von der Tatsache, dass in umkämpften Bereichen natürlich ein hohes Maß an jahrelanger Erfahrung und Analyse der Suchergebnisse gefragt ist und genau dieses Know-How gibt es eben nicht kostenlos im Internet.
Suchmaschinenoptimierung funktioniert in weniger wettbewerbsintensiven Bereichen und bei Suchkombinationen mit drei oder vier Begriffen, wie gestern beispielhaft präsentiert, auch ohne einen Experten. Wer allerdings das komplette Potential ausschöpfen will und bei umkämpften und vielgesuchten Einzelbegriffen vorne dabei sein möchte, der benötigt die Hilfe eines SEO-Experten.
Fazit
Insgesamt gesehen, eine lange Veranstaltung, deren Besuch sich für mich aber gelohnt hat, denn man konnte sich in den Pausen mit dem ein oder anderen unterhalten und auch in den Vorträgen waren durchaus interessante Gedankengänge zu finden, die man auf sein eigenes Geschäft übertragen und nutzen kann.



